3nach9
Ferdinand von Schirach „Draußen ist es nur von drinnen schön“
Der Bestsellerautor erklärte in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“, warum er die Natur am liebsten durch geschlossene Autofenster betrachtet.
Bremen, 28. Februar 2026 – Der Schriftsteller und Jurist Ferdinand von Schirach bewegt sich gern auf gewohntem Terrain. „Ich verlasse meine Komfortzone nie. Ich finde das eine völlig falsche Idee“, bekundete er am Freitagabend bei „3nach9“. In der von Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo moderierten Radio Bremen-Talkshow lieferte sich von Schirach auch einen humorvollen Schlagabtausch mit der Langstreckenwanderin Christine Thürmer, die ebenfalls in der Runde zu Gast war. „Ich finde es großartig, dass Sie das machen, aber wenn ich ganz ehrlich sein darf, würde ich lieber nicht mitgehen“, erklärte der Bestsellerautor.
Zum letzten Mal gewandert sei er schätzungsweise im Alter von acht Jahren, berichtete der 61-Jährige, der bei „3nach9“ grundsätzlich ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Ausflügen ins Grüne offenbarte. Er empfinde die Natur „immer so ein bisschen aufdringlich“, wenn man sich draußen aufhalte. „Wesentlich schöner ist es doch, in einem komfortablen klimatisierten Wagen langsam durch die Gegend zu fahren und sich die Natur durch das geschlossene Fenster anzuschauen“, führte von Schirach aus. „Letztlich ist es ja so: Draußen ist es nur von drinnen schön.“
Seine Skepsis gegenüber der Natur begründete der Autor, der gerade sein erstes Kinderbuch vorgelegt hat, mit einem soziologischen Ansatz: „Die Natur steht uns feindlich gegenüber, bestenfalls gleichgültig. Und in der Natur gilt das Recht des Stärkeren. Der Starke frisst den Schwachen“, sagte er. „Zivilisation, um es mal ein bisschen zu überhöhen, ist genau das Gegenteil: Das Recht ist erfunden, um den Schwachen vor dem Starken zu schützen.“ Weniger wissenschaftlich formulierte Ferdinand von Schirach eine seiner Schlussfolgerungen daraus: „Also, ich gehe wesentlich lieber ins Kaffeehaus als auf einen Wanderweg.“
Weitere Gäste dieser Ausgabe von „3nach9“ waren Autorin Ildikó von Kürthy, Segelsportler Boris Herrmann, Journalist Paul Ronzheimer und Knigge-Experte Clemens Graf von Hoyos.