3nach9
Robert Habeck: Familie freut sich über die verlorene Wahl
Bei „3nach9“ absolvierte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler seinen ersten Talkshow-Auftritt nach dem Rückzug von der politischen Bühne.
Bremen, 23. Mai 2026 – Kurz nach der Bundestagswahl 2025, bei der seine Partei Bündnis 90/Die Grünen eine erneute Regierungsbeteiligung verpasst hatte, zog sich Spitzenkandidat Robert Habeck aus dem Politikbetrieb zurück. Neun Monate nach dieser Entscheidung beendete er am Freitagabend eine selbst auferlegte Medienpause und sprach in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“ über seinen neuen Lebensabschnitt.
Bislang könne er noch keine Entzugserscheinungen bei sich feststellen, so Habeck. Bei allen Privilegien, die das Politikerdasein mit sich bringe, habe er „immer auch den Verlust gesehen, dass man das private Leben immer weniger selbst bestimmen kann, dass man in diesem goldenen Käfig lebt. Man zahlt schon einen Preis dafür.“
Auf Nachfrage von „3nach9“-Gastgeber Giovanni di Lorenzo schilderte Habeck u.a., wie seine Familie damit umgehe, dass er nun wieder mehr Zeit zu Hause verbringe. „Ich würde sagen, die freuen sich, dass ich die Wahl verloren habe“, sagte der 56-Jährige. Ihm sei es zuvor zunehmend schwergefallen, seine Rolle als Politiker in verantwortungsvoller Position von der des Privatmenschen zu trennen. „Dass ich nicht nur da bin am Tisch, sondern auch wieder lerne, nicht alles gleich zu entscheiden, ist eine Wohltat für alle Menschen, die mit mir zusammenleben müssen“, so Habeck.
Aktuell lebt der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler mit seiner Frau in Kopenhagen und ist dort am Dänischen Institut für Internationale Studien tätig. Bei „3nach9“ äußerte sich Habeck auch zu Stimmen, die sein Comeback als Politiker wünschenswert fänden. „Ich glaube, jetzt setzt so etwas wie diese nachträgliche Verklärung ein, die immer einsetzt, wenn Leute nicht mehr im Amt sind.“ Es sei allgemein wichtig, aus den „Mechanismen und Logiken der öffentlichen Parteidemokratie rauszukommen – also wieder zu verstehen, dass Kompromiss, Konsensfindung, eine breiter werdende Mitte ein Wert ist, ohne den das Land nicht über die Runden kommen wird.“
Als weitere Gäste in dieser Ausgabe von „3nach9“ begrüßten Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers die Schauspielerinnen Annette Frier und Mala Emde, den Comedian und Autor Lutz van der Horst, die Poetry-Slammerin Leah Weigand sowie Dörthe Bruske und Katrin Möller, die einen Stammtisch für Herz- und Lungentransplantierte gegründet haben.